Recht: Insolvenzverfahren im Überblick

Das Insolvenzverfahren kann zwei Formen annehmen: Als Sanierungsverfahren verfolgt es primär das Ziel, das Unternehmen des Schuldners zu sanieren und dient gleichzeitig seiner Entschuldung. Wenn das Unternehmen nicht mehr sanierbar ist, dient das Insolvenzverfahren der Ermittlung der Aktiva (vorhandenes Vermögen) und Passiva (Verbindlichkeiten/Schulden) und letztlich der Verwertung der vorhandenen Vermögenswerte des Schuldners. Ja nach Verfahrensart hat die Insolvenz des Schuldners für die Gläubiger unterschiedliche Auswirkungen. Im Regelfall besteht jedoch eine gewisse Chance, zumindest einen Teil der Forderungen beglichen zu erhalten.

Obwohl Insolvenz im allgemeinen Sprachgebrauch negativ besetzt ist und häufig mit Konkurs gleichgesetzt wird, besteht der eigentliche Sinn eines Insolvenzverfahrens zunächst darin, dem Schuldner eine Möglichkeit zu geben, sich wirtschaftlich zu erholen und sein Unternehmen zu sanieren. Dieser ganz wesentliche Aspekt des Insolvenzverfahrens wird gerne vergessen. Bis zur Insolvenzrechtsreform 2010 wurde das durch das Ausgleichsverfahren sowie durch den Zwangsausgleich erreicht.

Werbung


Insolvenz Rechtsanwalt Wien

Rechtsanwalt Insolvenzrecht
Mag. Balazs Esztegar LL.M.
Rechtsanwalt in Wien
berät Sie bei der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren oder wenn Sie selber einen Insolvenzantrag stellen müssen.

Tel: +43 1 997 4102
Mail: office(a)esztegar.at
Web: www.esztegar.at

Insolvenzverfahren:

Tipps für Schuldner:

Konkurs und Insolvenzverfahren

Mit dem Inkrafttreten des IRÄG 2010 mit 1. Juli 2010 wurde das Ausgleichsverfahren nach der Ausgleichsordnung jedoch abgeschafft und der frühere "Zwangsausgleich" weiter ausgebaut. Dieses Verfahren stellt nunmehr das Sanierungsverfahren dar. Die Insolvenzrechtsreform 2010 zielte damit in erster Linie darauf ab, die Sanierung von Unternehmen zu verbessern und dem oft negativ behafteten Konkurs die stigmatisierende Wirkung zu nehmen.

Ist der Schuldner eine natürliche Person, gelten für ihn zum Teil andere Bestimmungen. Betreibt er kein Unternehmen, spricht man - obwohl juristisch nicht ganz korrekt - vom Privatkonkurs. Richtigerweise handelt es sich dabei aber um das sog. Schuldenregulierungsverfahren. Im Unterschied zum Unternehmerkonkurs bzw. dem Insolvenzverfahren für eine juristische Person, für die das Handelsgericht (somit außerhalb Wiens das jeweilige Landesgericht als Handelsgericht) zuständig ist, sind für die Abwicklung von Privatkonkursen die Bezirksgerichte zuständig.

Werbung

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen einer natürlichen oder juristischen Person wird in der Ediktsdatei der Justiz bekannt gemacht. Die Wirkungen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens treten mit dem auf die Bekanntmachung folgenden Tag ein. Aus dem Eröffnungsedikt gehen nicht nur das Insolvenzgericht und die Aktenzahl hervor, dort wird auch der Insolvenzverwalter angegeben. Besonders wichtig für jeden Gläubiger ist die Frist für die Forderungsanmeldung, also der Zeitpunkt, bis zu dem jeder Gläubiger seine offene Forderung gegen den Schuldner gerichtlich anmelden muss, damit diese in der darauf folgenden Prüfungstagsatzung geprüft und festgestellt oder bestritten werden kann.

Versäumt der Gläubiger die Frist für die Forderungsanmeldung, kann er diese zwar zumeist nachholen, ihn treffen jedoch Kostenfolgen. Daher ist es für Gläubiger gerade bei größeren Forderungen ratsam, sich auch im Insolvenzverfahren von einem Rechtsanwalt vertreten zu lassen.